04. September 2026
Umfrage zeigt hohen Investitionsbedarf der NRW-Kliniken bei Hitzeschutz
KGNW-Präsident Ingo Morell begrüßt Förderprogramm der Landesregierung für Klimaanlagen
Düsseldorf, 04.09.2026 – In den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern verfügt derzeit nur eins von zehn Patientenzimmern über eine Kühlung oder eine Klimaanlage. Bei den Notaufnahmen sind gut 40 Prozent weder klimatisiert oder gekühlt, weitere fast 28 Prozent sind es nur in einzelnen Bereichen. Dies sind zwei Ergebnisse aus einer repräsentativen Umfrage der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) unter ihren rund 320 Mitgliedskrankenhäusern, die in der vergangenen Woche abgeschlossen wurde. KGNW-Präsident Ingo Morell unterstreicht deshalb die große Bedeutung des von der Landesregierung geplanten Förderprogramms: „Die Ergebnisse dieser Umfrage spiegeln den über Jahrzehnte entstandenen Investitionsstau der Krankenhäuser wider. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Ankündigung der Landesregierung, nun ein gesondertes Förderprogramm für Klimaanlagen, aktive Kühlsysteme und auch Verschattung in den NRW-Krankenhäusern auf den Weg zu bringen. Dieses über drei Jahre geplante Programm mit insgesamt 200 Millionen Euro ist ein bedeutsamer Einstieg in die Finanzierung eines umfassenden Hitzeschutzes in den Kliniken.“
Nach der repräsentativen Umfrage unter den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern gibt es auch in den Kreißsälen noch einen größeren Investitionsbedarf: Zwar verfügen bereits zwei Drittel der Kreißsäle über eine Klimatisierung oder Kühlung, weitere 11 Prozent nur teilweise. Bei rund 23 Prozent fehlen solche Anlagen ganz. Am besten sieht es der Umfrage zufolge in den OP-Sälen der Krankenhäuser aus, die zu mehr als 96 Prozent komplett gekühlt oder klimatisiert sind. Auf den Intensivstationen stehen rund 82,6 Prozent der Intensivbetten in klimatisierten Räumen, weitere 8,8 Prozent der Betten in teilweise gekühlten Zimmern. Für fast 8,7 Prozent der Intensivbetten fehlt jedoch noch eine Klimaanlage. An der vom 14. bis 27. August 2026 durchgeführten Umfrage haben 116 Krankenhäuser mit zusammen 195 Standorten teilgenommen.
Ausbau von Kühlungs- und Klimaanlagen wird Betriebskosten spürbar steigen lassen
KGNW-Präsident Ingo Morell erwartet ein sehr großes Interesse der Krankenhäuser an dem Förderangebot: „Es ist ein wichtiges Signal, dass die Landesregierung ihre Verantwortung für die Investitionsfähigkeit der Krankenhäuser auch beim Hitzeschutz wahrnimmt. Der zurückliegende Sommer mit Hitzewellen und anhaltenden Hitzeperioden hat in allen Bereichen der Gesellschaft deutlich gemacht, dass wir diesen Phänomenen des Klimawandels zügig viel mehr Aufmerksamkeit geben müssen. Der Plan, das Förderprogramm über drei Jahre zu strecken, kann hoffentlich verhindern, dass der Ausbau des Hitzeschutzes an einer Überforderung des Marktes scheitert. In dieser Zeit muss zugleich auf Bundesebene sichergestellt werden, dass der durch Klimaanlagen und aktive Kühlung erforderliche höhere Energiebedarf auch bei der Finanzierung der steigenden Betriebskosten vollständig berücksichtigt wird. Ein weiteres Spardiktat des Bundes für die Kliniken ausgerechnet in diesem sensiblen Bereich wäre angesichts der hohen Zahl von Hitzetoten nicht vermittelbar.“ Zugleich kritisierte Morell die widersprüchlichen Signale zur Personalpolitik: „Es passt nicht zusammen, dass die Bundesregierung die Krankenhäuser mit den harten Bandagen des GKV-Spargesetzes zum Personalabbau zwingt, während in einer Hitzephase am besten alle Schichten doppelt besetzt sein sollen. Diesen Spagat können die Krankenhäuser unter den Vorgaben des Bundes nicht leisten. Die Daseinsvorsorge durch die Kliniken ist personalintensiv, dafür müssen aber die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.“
Die KGNW hatte bereits im Frühjahr 2022 zwei Gutachten zum klimaneutralen Krankenhaus vorgelegt. In dem von Prof. Boris Augurzky erstellten Gutachten wurden auch die Kosten der baulichen Maßnahmen für eine Klimaanpassung in den Kliniken beziffert: Danach würde die energetische Sanierung der Gebäudehüllen nach damaligem Stand 6,3 Milliarden Euro kosten, wovon 4,2 Milliarden Euro dem Investitionsstau zuzurechnen wären. Diese Maßnahmen würden ein Aufheizen der Gebäude minimieren. Für technische Lüftungsanlagen führt das Gutachten in diesem Kontext weitere 460 Millionen Euro an.
Hintergrund: Klimatisierung und Kühlung in NRW-Krankenhäusern
Die vorliegende KGNW-Blitzumfrage erfasst 195 von 526 Krankenhausstandorten. Die Stichprobe ist repräsentativ für alle Krankenhäuser (nach Krankenhausfinanzierungsgesetz - KHG). Befragungszeitraum: 14.-27.08.2026. Entsprechende Charts finden sich im nachfolgenden Download-PDF.