18. May 2015

Warum der Körper kein Fremdgewebe mag

Forschungsprojekt von Harvard-Wissenschaftlern und Plastischen Chirurgen des Bergmannsheil

Bei schweren Verletzungen der Hand und der oberen Extremität ist die Transplantation von zusammengesetztem Fremdgewebe (Vascularized Composite Allotransplantation, VCA) eine mögliche, neue Behandlungsalternative. Allerdings sind Abstoßungsreaktionen gegen das Fremdgewebe beim Empfänger nahezu unausweichlich. In einem Kooperationprojekt mit dem Center for Reconstructive and Restorative Surgery Research, Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School (Direktor: Prof. Dr. Pomahac) untersuchen Forscher der Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte des Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Marcus Lehnhardt) solche Abstoßungsreaktionen. Die Arbeitsgruppe „Experimentelle Plastische Chirurgie“ unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Tobias Hirsch erhält für ihre Arbeit jetzt eine Förderung der Georgius Agricola Stiftung Ruhr in Höhe von 59.730 Euro.

Früherkennung und Behandlung von Abstoßungsreaktionen

Schwere Verletzungen der Hand und der oberen Extremität führen in vielen Fällen zu Invalidität, massiven Einschränkungen und Behinderungen. Eine mögliche und vielversprechende therapeutische Option ist die allogene Transplantation bei schwersten Verletzungen der oberen Extremität. Vascularized Composite Allotransplantation (VCA) beschreibt die Transplantation zusammengesetzter Gewebe wie Arm oder Gesicht. Mit diesem relativ neuen Verfahren konnten in der jüngeren Vergangenheit große Erfolge erzielt werden. Wie bei der Transplantation solider Organe (Herz, Niere) ist jedoch auch bei VCA eine anschließende, lebenslange Immunsuppression notwendig. Akute Abstoßungsreaktionen treten bei fast allen Empfängern von VCA innerhalb des ersten Jahres auf. Auch nach jahrelang unauffälligem Verlauf kann es zu Abstoßungsreaktionen kommen. Insbesondere über chronische Abstoßungsreaktionen gibt es bisher kaum gesicherte Erkenntnisse. Priv.-Doz. Dr. Hirsch und Dr. Maximilian Kückelhaus werden fortan die Früherkennung und Behandlung solcher Abstoßungsreaktionen mit Hilfe der Forschungsförderung untersuchen.

Pressebild: Priv.-Doz. Dr. Tobias Hirsch – Bildnachweis: V. Daum/Bergmannsheil

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung und gehört zum Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). In 23 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 652 Betten werden jährlich rund 22.000 Patienten stationär und 61.000 Patienten ambulant behandelt.

Das Bergmannsheil gehört zum Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (KUV). Der KUV besteht aus neun berufsgenossenschaftlichen Akutkliniken, zwei Kliniken für Berufskrankheiten und zwei Unfallbehandlungsstellen, den BG-Kliniken. Mit 12.000 Mitarbeitern und jährlich über 500.000 Patienten ist der KUV einer der größten Klinikverbünde Deutschlands. Weitere Informationen: www.bergmannsheil.de, www.k-uv.de

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Priv.-Doz. Dr. Tobias Hirsch
Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
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Tel.: 0234/302-3583
E-Mail: tobias.hirsch@bergmannsheil.de