07. January 2015

Sicherheit für die pflegenden Angehörigen

Kooperation mit der AOK und der Universität Bielefeld: Familiale Pflege zuhause

Kurzfristig die Pflege eines Angehörigen zu übernehmen, führt nicht selten zu einer Überforderungssituation. Das LWL-Universitätsklinikum Bochum, die Universität Bielefeld und die AOK-Pflegekasse haben eine Kooperationsvereinbarung zur „Familiale Pflege“ unterzeichnet. Ziel ist die Unterstützung und Kompetenzförderung von pflegenden Familien im Übergang vom Krankenhaus in die familiale Versorgung zu Hause.

Für Angehörige tun sich viele Fragen auf, wenn ein pflegebedürftig gewordenes Familienmitglied aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen wird. Gerade die Pflege älterer, multimorbider und demenziell erkrankter Menschen zu Hause ist davon betroffen. Nicht immer gelingt die Pflege zu Hause und es kann zu erneuten Einweisungen kommen. Um Familien in dieser Situation konkrete Unterstützung zu bieten, hat die Universität Bielefeld auf der Grundlage von Forschungsergebnissen ein Konzept zur Unterstützung pflegender Angehöriger entwickelt. „Die Familie ist die zentrale Institution in der Pflege alter Menschen und damit der größte Pflegedienst der Nation. Der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege wird nicht selten von den betroffenen Familien als eine Krisensituation erlebt, in der sie unvorbereitet weitreichende Entscheidungen treffen müssen“, so AOK-Regionaldirektorin Claudia Koch. Für die Patienten bedeutet die Pflege in der gewohnten Umgebung im häuslichen Bereich ein Zugewinn an Lebensqualität.

Während das Programm „Familiale Pflege“ an somatischen Krankenhäusern Angehörige bereits mehr als zehn Jahre unterstützt, können ab sofort auch Angehörige von psychiatrischen Patienten des LWL-Universitätsklinikums Bochum profitieren. Die Projektverantwortlichen im LWL-Universitätsklinikum Bochum wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Weiterbildung von der Universität Bielefeld auf die Durchführung der Pflegekurse und -trainings vorbereitet. Zwei erfahrene Pflegefachkräfte (Marion Strube und Franziska Kühne) wurden von der Universität Bielefeld geschult und stehen den Angehörigen psychisch kranker Menschen während des Krankenhausaufenthaltes und sechs Wochen danach zur Seite. Ende des Jahres 2014 wurde ein erster Initialpflegekurs durchgeführt.

Die Pflegekurse orientieren sich an der speziellen Lebenssituation der Familien und beziehen individuelle Fragestellungen ein. Hier sollen Angehörige bereits zu einem frühen Zeitpunkt bestimmte Pflegetechniken erlernen und Gelegenheit erhalten, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Aber auch Themen wie Lagerung, Bewegung, Körperhygiene, praktische Hilfen beim An- und Ausziehen oder beim Essen und Trinken gehören zu den Kursinhalten. Das Krankenhaus nimmt in dieser Situation häufig eine Schlüsselrolle ein. Marion Brand, Pflegedirektorin des LWL-Universitätsklinikums Bochum: „Unsere Pflegetrai-nerinnen bieten den Angehörigen schon im Krankenhaus individuelle Pflegetrainings am Patientenbett an und können diese nach der Entlassung der Patienten auch in der Häuslichkeit fortsetzen. In den Pflegekursen und -trainings können mehrere Familienmitglieder einbezogen werden. Es bildet sich ein Netzwerk, die Verteilung von Aufgaben und die gegenseitige Unterstützung kann gelingen.“

Die AOK NORDWEST fördert das Modellprojekt. Das Angebot ist kostenlos uns steht allen Angehörigen unabhängig von ihrer Kassenzugehörigkeit offen. „Aktuell haben sich 360 Allgemeinkrankenhäuser, Psychiatrien und Reha-Kliniken in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein dem Modellprogramm angeschlossen und begleiten Angehörige beim Übergang in die familiale Pflege. Im Jahr 2014 haben wir rund 48.000 Pflegende erreicht“, berichtet Sonja Bergenthal von der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld.

Bild:
Stehen für die Kooperation „Familiale Pflege“ (v.l.n.r.): Heinz Augustin, Kaufmännischer Direktor des LWL-Universitätsklinikums Bochum, Marion Strube und Franziska Kühne, Pflegefachkräfte der Familialen Pflege, Claudia Koch, AOK-Regionaldirektorin, sowie Marion Brand, Pflegedirektorin des LWL-Universitätsklinikums Bochum. (Bildquelle: AOK/LWL)