11. Februar 2004

Katastrophale Folgen der festgeschriebenen Budgets

KGNW-Präsident Dr. Johannes Kramer bezifferte die durch die Budgetierung verursachte Finanzlücke für die NRW-Krankenhäuser auf insgesamt über 650 Millionen Euro für die Jahre 2003 und 2004


KGNW: Katastrophale Folgen der festgeschriebenen Krankenhausbudgets

Defizit von über 650 Millionen Euro nicht zu verkraften
Kritische Personalsituation

Düsseldorf, 10. Februar 2004. – „Durch die gesetzlich verordnete Festschreibung ihrer Budgets und der damit verbundenen marginalen Steigerungsrate von 0,02 Prozent müssen die nordrhein-westfälischen Krankenhäuser eine Finanzlücke von allein insgesamt über 650 Millionen Euro für die Jahre 2003 und 2004 verkraften“, beschrieb Dr. Johannes Kramer, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), auf einer KGNW-Pressekonferenz die finanzielle Notlage der nordrhein-westfälischen Krankenhäuser. Dadurch werde die Finanzsituation der Kliniken weiter verschärft und Krankenhäuser würden in den wirtschaftlichen Ruin getrieben.

„Der geringen Steigerungsrate von bis zu 0,02 Prozent für das Jahr 2004 stehen Kostenzuwächse im Personal- und Sachkostenbereich von insgesamt mindestens 2,7 Prozent im Jahr 2004 gegenüber“, betonte Dr. Kramer. Im Jahr zuvor betrug die Steigerungsrate für Krankenhäuser, die vorzeitig nach dem neuen DRG-Fallpauschalensystem (Diagnosis-Related-Groups) abgerechnet haben, 0,81 Prozent. Die übrigen Krankenhäuser mussten eine Nullrunde verkraften.

„Insgesamt belaufen sich für die nordrhein-westfälischen Krankenhäuser allein für 2003 und 2004 damit die nicht gedeckten Kosten auf insgesamt über 650 Millionen Euro (circa 1,4 Millionen Euro je Krankenhaus)“, hob der KGNW-Präsident hervor. Hinzu komme die gesetzlich verordnete Absenkung der Krankenhausbudgets von bis zu einem Prozent für Integrierte Versorgung im Zuge der Gesundheitsreform sowie weitere finanzielle Mehrbelastungen durch die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes, die Zusatzversorgung der Mitarbeiter und die DRG-Einführung.

„Viele Krankenhäuser stehen mit dem Rücken zur Wand“, hob Dr. Kramer hervor. Jetzt gelte es, umso mehr bereits eingeleitete strukturelle Änderungen verstärkt fortzusetzen und sinnvolle Vernetzungen mit den vor- und nachgelagerten Versorgungsbereichen vorzunehmen. Die Möglichkeiten, die das Gesundheitsmodernisierungsgesetz den Krankenhäusern hier bietet, begrüßte der KGNW-Präsident ausdrücklich und nannte hier die Einführung integrierter Versorgungsformen und die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Behandlung bei hochspezialisierten Leistungen und seltenen Erkrankungen. Neue Geschäftsfelder müssten gesucht, neue Behandlungsformen und Kooperationen umgesetzt werden.

Trotz dieser vielfältigen Anstrengungen der Krankenhäuser führt für die KGNW die unzureichende Finanzierung insbesondere der Personalkosten und der damit verbundene Zwang zur Einsparung von Finanzmitteln dazu, dass in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern Stellen abgebaut werden müssen und offene Stellen zeitweise nicht besetzt werden.

Neueste Zahlen einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts zur Personalsituation bestätigen dies, so die KGNW. Nach den Umfrageergebnissen wurden allein im ersten Halbjahr 2003 gut 1.900 Vollkraftstellen abgebaut.

Die personelle Ausdünnung in den Krankenhäusern, die zu einer Verteilung der Arbeit auf weniger Schultern und zu einer Verschärfung der Überstunden- und Überlastungssituation in den Krankenhäusern führt, ist für die KGNW die Folge der katastrophalen Finanzsituation bei steigenden Patientenzahlen und sinkenden Fallerlösen. Demotivation, höherer Krankenstand, ausbleibender Personalnachwuchs sowie Abwanderung ins Ausland und in nicht-kurative Berufsfelder ziehe dieses Problem nach sich. Den Preis müssten zwangsläufig die Patienten zahlen, befürchtet die KGNW. Für die persönliche Betreuung des Patienten werde weniger Zeit zur Verfügung stehen und sich auf das Nötigste reduzieren, Belegungsreduzierung und eine Wartelistenmedizin seien die Folge.

Die KGNW-Vertreter forderten von der Politik, sich dem größten Problem unseres Gesundheitswesens – den wegbrechenden Beitragseinnahmen und der dadurch verursachten absolut unzureichenden Finanzierung der Krankenhäuser – zu stellen. Eine Beitragsimplosion sei die zentrale Ursache für die ständige Flickschusterei im Gesundheitswesen und keinesfalls eine Kostenexplosion. Dieses zentrale Problem sei von der Regierung in die Rürup-Kommission verschoben und im GMG nicht gelöst worden!