20. Juni 2013

Neues Angebot für manisch-depressive Menschen

BiBo – LWL-Universitätsklinikum eröffnete Ambulanz für Bipolare Störungen in Bochum

Eine bipolare Störung ist eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung mit enormen Belastungen für die Betroffenen. Sie wird umgangssprachlich auch als „manische Depression“ bezeichnet. Betroffene Menschen können unter extremen Stimmungsschwankungen leiden – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Je nach Ausprägung der Störung können manische und depressive Episoden direkt ineinander übergehen; es können aber auch lange symptomfreie Zeiten dazwischen liegen. Die Lebensführung kann stark beeinträchtigt sein. Jeder vierte Erkrankte versucht mindestens einmal, sich das Leben zu nehmen; die Suizid-Rate liegt bei 15 Prozent der bipolar erkrankten Menschen.

Bipolare Störungen werden häufig erst spät erkannt und behandelt. Die Erkrankung offenbart sich bei den meisten Patientinnen und Patienten im Jugendlichen- und jungen Erwachsenenalter. Erste Symptome zeigen sich allerdings häufig schon vorher. Um Betroffenen mit speziellen Angeboten möglichst früh und zeitnah helfen zu können, eröffnete die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Ambulanz für Bipolare Störungen in Bochum, kurz: BiBo.

Das Angebot der neuen Spezialambulanz sieht neben Diagnostik und Beratung eine kontinuierliche ambulante Behandlung vor. „Der Besuch unserer Spezialsprechstunde kann auch vorstationär genutzt werden, wenn eine stationäre Behandlung nötig sein sollte“, so Dr. Uhl. „Wir unterstützen aber auch nach der Entlassung aus dem stationären oder teilstationären Bereich mit Angeboten, die einen optimalen Übergang in die ambulante Behandlung ermöglichen sollen.“ Weitere Bestandteile des Behandlungsprogramms sind eine Telefonsprechstunde, die einmal in der Woche durch den verantwortlichen Ambulanzarzt Dr. Jörg Heller angeboten wird, und ambulante Leistungen wie ärztlich therapeutische oder pflegerische Gruppenangebote.

Im Track für Affektive Störungen werden Menschen mit einer bipolaren Störung sowohl ambulant als auch teilstationär und stationär behandelt. Neben der Diagnostik werden dabei neueste wie bewährte Therapieverfahren eingesetzt. „Wir legen Wert auf eine Behandlungskontinuität zwischen dem stationären und ambulanten Bereich“, erklärt Dr. Idun Uhl, Leiterin des Tracks „Affektive Störungen“. „Damit ist eine nahezu umfassende Behandlung und Betreuung in psychiatrischer, aber auch sozialer Hinsicht möglich.“

Die Zusammenarbeit mit der DGBS – Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen, deren Vorsitz Prof. Dr. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor des LWL-Universitätsklinikums Bochum, inne hat, ist für die Arbeit der Experten im LWL-Universitätsklinikum Bochum sehr wertvoll. Georg Juckel: „Wir haben damit den Vorteil, die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse in unsere Behandlungskonzepte integrieren zu können.“ Die 2000 Mitglieder zählende DGBS arbeitet im Trialog mit Professionellen, Betroffenen und Angehörigen – mit dem Ziel, die Bedürfnisse von Menschen mit einer Bipolaren Störung in Öffentlichkeit und Gesundheitspolitik zur Geltung zu bringen sowie die Forschung, Fortbildung und Selbsthilfe zu fördern (Infos unter www.dgbs.de).

Die Ambulanz für Bipolare Störungen Bochum ist montags von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr, dienstags und donnerstags von 8:00 Uhr bis 16:30 Uhr sowie mittwochs und freitags von 8:00 Uhr bis 15:00 Uhr unter der Telefonnummer 0234 5077-1190 erreichbar.

Track-Konzept des LWL-Universitätsklinikums Bochum:
Das Track-Konzept im LWL-Universitätsklinikum Bochum sieht keine strikte Trennung zwischen stationärer, tagesklinischer und ambulanter Behandlung vor. Vielmehr orientiert sich die Behandlung an den individuellen Krankheitsbildern der Patienten, die modular abgestuft, diagnosespezifisch, für jedermann in seelischer Not in der Kontinuität eines Teams aus Ärzten, Psychologen, Pflegenden sowie verschiedenen Spezialtherapeuten („alles aus einer Hand“) je nach Schweregrad stationär, teilstationär oder ambulant erfolgt.

Bildzeile:
Dr. Idun Uhl (Mitte), Leiterin des Tracks „Affektive Störungen“ im LWL-Universitätsklinikum Bochum, ist neben Ambulanzarzt Dr. Jörg Heller für die neue Ambulanz für Bipolare Störungen Bochum zuständig. Susanne Kirchhoff referierte als Betroffene auf der Eröffnungsveranstaltung („Ich bin manisch-depressiv. Und das ist auch gut so!“). (Bildquelle: LWL)