31. January 2012

Über Essstörungen und Depressionen

Wenn Essen die Seele belastet oder die Seele das Essen

Während die einen zu wenig essen, sich unentwegt Gedanken um ihre Figur machen und lebensbedrohlich abnehmen, leiden andere wiederum unter wiederkehrenden Essanfällen, bei denen innerhalb sehr kurzer Zeit überdurchschnittlich viel gegessen wird – mit oder ohne anschließendem Erbrechen. Im Fachjargon ist dann die Rede von Magersucht („Anorexia nervosa“) oder von Bulimie bzw. Binge-Eating-Störung. Diese Essstörungen gehen oftmals mit depressiven Symptomen einher und zählen zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen.
Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können wiederum aufgrund mangelnden Antriebs unter Appetitlosigkeit leiden und dabei massiv an Gewicht verlieren. Bei atypischen Depressionen kann es umgekehrt zu regelrechten „Fress-Attacken“ kommen; der Appetit ist gesteigert, die Patienten nehmen stark an Gewicht zu. Auch Frauen und Männer, die adipös sind, das heißt mit Übergewicht zu kämpfen haben, können aufgrund ihres Gewichtsproblems unter Depressionen leiden.
Betroffen sind Frauen wie Männer, junge wie ältere Menschen. „Es sind verschiedene Formen von Essstörungen bekannt, wobei die Übergänge teilweise fließend sind und Essstörungen sich überlagern können“, so Prof. Dr. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor des LWL-Universitätsklinikums Bochum für Psychiatrie, Psychotherapie, Präventivmedizin und Psychosomatische Medizin im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). „Die Behandlung dieser Erkrankungen gehört unbedingt in die Hände von Experten.“ Aus diesem Grund hatte das LWL-Universitätsklinikum Bochum in Kooperation mit dem Bochumer Bündnis gegen Depression zu der Bürgerveranstaltung „Depression und Essstörungen“ eingeladen, um über Essstörungen und ihre unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.
Mit Prof. Dr. Stephan Herpertz, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im LWL-Universitätsklinikum Bochum, weist das Klinikum auf diesem Gebiet einen deutschlandweit anerkannten Experten aus. Als Herausgeber der sogenannten S3-Leitlinien für Essstörungen, die den Nationalexpertenstandard beinhaltet, referierte Herpertz über die gesundheitlichen, seelischen und sozialen Folgen dieser psychosomatischen Erkrankungen.
„Bei allen Essstörungen hängen Ernährung, Gewicht, Aussehen und Depressionen zusammen“, so Prof. Dr. Stephan Herpertz, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. „Aus eigener Kraft ist es den Betroffenen kaum möglich, aus dieser gefährlichen Spirale herauszukommen.“ Sie benötigen eine spezielle und langwierige Behandlung, bei der das Selbstbewusstsein sowie ein gesundes Verhältnis zum Essen und zum Körper aufgebaut werden.